Physiotherapie für Hunde Nina Drewermann

 Aquatraining auf dem Unterwasserlaufband

 

 

Das Training auf dem Unterwasserlaufband nimmt in meiner Praxis einen wichtigen Teil der Therapieformen ein.

Hierbei werden u.a. die positiven Wirkungen des Wassers optimal genutzt. Dazu zählen u.a. der Auftrieb, den ein Körper im Wasser erfährt. Dieses schafft dem Hund eine wesentliche Erleichterung des Bewegungsablaufes, wenn er z.B. unter schmerzhaften Gelenken leidet, die eine Belastung auf festem Boden manchmal gar nicht möglich macht. Je höher das Wasser ist, desto weniger Eigengewicht muss der Hund tragen.

Ein weiterer positiver Effekt des Wassers, ist der hydrostatische Druck, der umso größer ist, je tiefer der Hundekörper sich im Wasser befindet. Das Gewebe erfährt eine Stimulation, die die Blutzirkulation erhöht und somit Ödemen und Schwellungen entgegenwirkt. Ähnlich wie bei einer Massage werden bestimmte Afferenzen im Gewebe stimuliert, die eine schmerzhemmende Wirkung fördern.

Eine weitere physikalische Wirkung des Wassers, ist der Widerstand. Bewegt sich der Hund im Wasser, trifft er auf einen Widerstand. Neben einer Kräftigung der Muskulatur, erfolgt hierdurch auch eine Anregung des Herz- Kreislaufsystems.

Häufig stellen Hundehalter in meiner Praxis die Frage, ob sie ihren Hund nicht einfach in einem See schwimmen lassen könnten. Generell kann dem Hund auch das freie schwimmen in der Natur positive Unterstützung bieten, entscheidend hierbei ist der Schwimmstil des Hundes. Häufig beobachtet man Hunde, die sich eher planschend als schwimmend im Wasser fortbewegen. Hierbei sackt der Hundekörper im Bereich der Brustwirbelsäule ab und der hintere Teil, verschwindet im Wasser. Der Kopf und der Hals ragen manchmal panisch ausschauend weit aus dem Wasser, ebenso wie die Vordergliedmaßen, die den Hundekörper mit aller Kraft nach vorne bewegen wollen. Der Hintergliedmaße kommt hierbei nur wenig Funktion zu Gute, lediglich ist sie neben geringer Beugung und Streckung am Richtungswechsel beteiligt. Leider sind häufig diese Bewegungen für Hunde mit Erkrankungen des Bewegungsapparates z.B. einer Wirbelsäulenproblematik, nicht vorteilhaft - ganz im Gegenteil. Die Halswirbelsäule erfährt eine Dauerüberstreckung und auch die anderen Wirbelsäulenabschnitte werden fehlbelastet. Die Vordergliedmaßenmuskulatur, die die Hauptarbeit leisten muss wird ebenfalls überlastet.

Häufig verausgaben sich Hunde bei dieser Art zu schwimmen vollkommen und anschließend zeigen sich Probleme häufig noch verstärkter, als das sich eine Besserung einstellt. Natürlich gibt es auch Hunde die einen schönen Schwimmstil zeigen. Mein Anliegen an dieser Stelle ist - beobachten Sie Ihren Hund, wenn Sie ihn schwimmen lassen möchten! Nutzen Sie ggf. eine Schwimmweste für den Hund und bedenken Sie, wieviel Sie ihrem Hund zumuten können unter Einbeziehung möglicher Erkrankungen etc. Gut eingesetzt, beobachtet und überdacht, kann das freie schwimmen gut eingesetzt werden.

Im Vergleich zum schwimmen, bietet mir das Unterwasserlaufband in meiner Praxis eine kontrollierte, gut dosierbare Therapiemöglichkeit bei verschiedenen Erkrankungen. Während der Mechanismus des beugens und streckens der Gelenke beim freien schwimmen etwas abgeschwächt ausgeführt wird, hilft das Laufband dem Hund eine optimale Bewegung auszuführen und das Gelenkausmaß zu optimieren. Die Pfoten bekommen durch das Laufband einen Reiz, der dem Gehirn einen Bodenkontakt, sowie eine korrekte Auffußung vermittelt. Der Hund prägt sich ein physiologisches Gangbild ein. Davon profitieren u.a. auch Patienten, mit neurologischen Erkrankungen, die nicht selten Lähmungen mit sich bringen. Diese Patienten unterstütze ich anfangs, indem ich betroffene Gliedmaßen manuell in einer physiologischen Gehbewegung mitführe, auch gezielte Druckausübung auf die Pfoten geben Reize an das Gehirn. Die Muskulatur bleibt erhalten bzw. wird gekräftigt, Gelenkkapseln werden durchblutet, die Bildung der Gelenkflüssigkeit wird angeregt, das Gelenk wird geschmeidig gehalten.

Häufig nehmen Hunde nach chirurgischen Eingriffen Schonhaltungen an, manchmal sogar noch dann, wenn das Gelenk schon längst schmerzfrei ist. Der Hund hat sich ein falsches Gangmuster eingeprägt, welches u.a. mit der Unterstützung des Unterwasserlaufbands wiedererlernt werden kann.

Viele Erkrankungen bringen eine Muskelatrophie, also einen Rückgang der Muskulatur mit sich , die durch Schonhaltungen entstehen. Auch hier bietet das Training im Wasser eine Möglichkeit gezielt Muskulatur aufzubauen oder zu erhalten. Mit einer Schrägstellung des Laufbandes kann gezielt die Hinterhand gekräftig werden. Auch ein Massageschlauch ist einsetzbar, um unter Wasser gezielt Partien zu stimulieren. Desweiteren kann eine Gegenstromanlage eingeschaltet werden. Der Hund muss mehr Muskelkraft aufbringen um sich nach vorne zu bewegen. Sie kommt aber nur zum Einsatz, wenn der Hund gut trainiert ist oder ohne Einstellen des Laufbandes, bei neurologischen Patienten auf die durch die Wellenbewegung eine Stimualtion übertragen werden soll.

Der Aquatrainer in meiner Praxis ist für sehr kleine und sehr große Hunde geeignet. Während die großen Hunde über eine rutschfeste Eingangsklappe selbstständig einsteigen können, werden kleine Hunde herein gehoben. Mir ist es wichtig, auf jeden Hund individuell einzugehen, während manche Hunde schon bei der ersten Therapieeinheit schwanzwedelnd im Aquatrainer laufen, gibt es auch Hunde, die zunächst skeptisch sind und denen die ungewohnte Situation Angst macht. Hier ist es mir wichtig, den Hund geduldig und liebevoll in kleinen Schritten an das Unterwasserlaufband heranzuführen. Auch für den Erfolg der Therapie ist es wichtig, dass die Hunde angstfrei und ohne Anspannung im Wasser laufen. Vereinzelt gibt es Hunde, die sich nicht überwinden können, dann finden andere Therapieformen ihren Einsatz. An erster Stelle steht: Hund und Halter sollen sich wohl fühlen!

Zum Schluss möchte ich betonen, dass es unabdingbar ist, gerade nach chirurgischen Eingriffen, die Therapie auf dem Unterwasserlaufband mit dem behandelnden Tierarzt zu besprechen, ob, ab wann und in welcher Form das Aquatraining eingesetzt werden soll. Dies ist abhängig von der Erkrankung, dem Zustand des Hundes und auch von der OP-Methode, die gewählt worden ist! Auch organische Erkrankungen wie z.B. schwere Herz- Kreislauferkrankungen bedürfen tierärztliche Abklärung!

Indikationen und Kontraindikationen im Überblick:

Indikationen:

  • prä - und postoperativ
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates wie z.B. Arthrosen, Spondylosen
  • Neurologische Erkrankungen
  • Geriatrie: Erhalt der Muskulatur, Körperwahrnehmung, Mobilisation der Gelenke
  • Verletzungen von Sehnen und Bändern
  • Diätetik

Kontraindikationen:

  • akute Entzündungen
  • Infektionen / Hautinfektionen
  • frische Wunden
  • Herz - Kreislauferkrankungen/ Absprache mit dem Tierarzt
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Ausstattung des Gerätes:

  •  XXL-Becken zur Behandlung von sehr großen Hunden
  • Laufbanderhöhung zur Behandlung von sehr kleinen Hunden
  • Obergestell mit Gurtage für gelähmte Hunde
  • Laufbandschrägstellung und Gegenstromanlage zur Steigerung des Trainingseffekts
  • Unterwasser-Massage-Schlauch
  • Heizung für eine optimale Wassertemperatur

 

 

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